Zum Skaten nach Berlin – kein Geld für unsere Jugendlichen

skate-1093080_640Prenzlau – Kein Geld für die Reparatur von Skateboard-Plätzen in Prenzlau. Immer mehr jugendliche Skater machen sich auf den Weg nach Berlin um ihren Sport auszuüben. Die Skateboard-Anlage am  Bürgerhaus wurde ersatzlos abgebaut, der Skateplatz im Stadtpark hat zwar vor ein paar Jahren einen Skatepool erhalten, ist aber aufgrund der desolaten Oberfläche des gesamten Platzes kaum für Skater nutzbar. Der Asphaltbodenbelag ist viel zu grob, als dass es darauf Spaß machen würde zu fahren. Hier fehlte den Bauherren wohl Sachverstand um die Prioritäten festzulegen, als sie es vorzogen, die Wanne bauen zu lassen.

Es ist das alte Lied, für alles ist Geld da, nur nicht für unsere Jugendlichen. Kein Wunder weshalb viele junge Menschen aus der Region abwandern. Was hat Prenzlau denn gerade für die älteren Schüler zu bieten?

 

Was ist eigentlich Heimat? – Meine große Reise ans Ziel

Ein beeindruckender Bericht zum Thema – Was ist eigentlich Heimat? 

Ich bin Marie, 27 Jahre alt, zweifache Mutter, verheiratet und ständig unausgefüllt. Immer irgendwie auf der Suche nach einem ruhigen und gelassenen Alltag, ohne viel Stress und Hektik. Doch meine Gene und mein Charakter meinen es nicht gut mit mir, denn Tag für Tag erwische ich mich selbst dabei, wie ich genau das Gegenteil bewirke. Ich sitze gerade mal zwei Minuten und springe dann schon wieder auf, um hier nochmal zu putzen, dort nochmal aufzuräumen, … ach so da fällt mir ein, ich müsste ja noch das Geld für den Strafzettel von letzter Woche überweisen. Und wenn ich schon mal am iPad sitze, dann könnte ich auch gleich noch die sieben Artikel bei Ebay online stellen. Oje, es wird Zeit die Kinder aus der Kita zu holen. Das geht bis 22 Uhr so und am nächsten Morgen gegen 5.40 Uhr steht das erste Kind schon wieder an meiner Bettkante. Ich mag Stress eigentlich gar nicht und wünsche mir nur zu oft ihm zu trotzen, um mich dann mal wieder selbst zu finden.

Das geht aber auch nur an einem Ort, an dem man sich wohl fühlt!

Ich bin in Prenzlau geboren und bereits mit 14 Jahren in den Westen gezogen. Mit meiner Mutter verlebte ich eine spannende Zeit in Scheeßel (70km von Hamburg). Hier habe ich einen Teil meiner wilden Jugend verbracht. Zelten auf grünen, weiten Wiesen, Dorfpartys bis der Hahn krähte und dreimal im Jahr Festival-Stimmung auf dem Hurricane. Die Zeit auf dem Dorf war ausgelassen und friedlich, …

… aber sollte das nun meine neue Heimat sein?

auf der Suche nach der HeimatIch habe mir schon in jungen Jahren den Kopf darüber zerbrochen, was eigentlich “Heimat” ist. Das Heim in dem man sich heimisch fühlt? Oder ist die Heimat der Ort an dem man geboren wurde? Oder ist die Heimat dort, wo auch die Familie ist? In meinem Falle also Prenzlau.

Nun denn, meine große Reise ging weiter. Nach zwei Jahren Scheeßel kamen nun zwei Jahre Achim hinzu (15 km von Bremen). Hier war es schon etwas belebter als auf dem Dorf, was mich aber zu dieser Zeit noch nicht störte. Ausgelassen führte ich hier den zweiten Teil meiner wilden Jugend weiter. Homepartys bei flüchtigen Bekannten, witzige Nachmittage im Skeaterpark und feuchtfröhliche Nächte am Ufer der Weser.

Ist das jetzt hier meine neue Heimat? Fühle ich mich in Achim heimisch?

Nein irgendwie nicht, denn ich spreche noch immer meinen Berliner Dialekt und fühle mich hier nicht richtig integriert. Also geht meine Reise nach geschlagenen zwei Jahren weiter. Auf in ein neues Abenteuer, ich versuche mein Glück allein in Oldenburg (70 km von Bremen). Eine schöne Studentenstadt, mit einer wirklich beeindruckenden Einkaufspassage und vielen Bus- und Bahnlinien. Hier lief das Leben schon etwas schneller ab. Aber vielleicht auch zu schnell für mich und meiner Unerfahrenheit. Und wieder mal stellte ich mir die Frage…

… Ist das nun meine vertraute Heimat? Könnte ich hier Fuß fassen und alt werden?

Ich kam zu dem Entschluss, einen Gang runter zu schalten. Jetzt wollte ich meine Naivität vom glücklichen und erfüllten Leben ablegen und Erwachsen werden.

Wo will ich hin-wo komm ich her

Hilfe, wo soll ich denn nur hin? Wo bin ich nur Zuhause? Wo fühle ich mich geborgen und angekommen? An allen Orten hatte ich immer nur kurzfristigen Spaß.  Mal eine Party hier, mal einen Bummel dort.  Aber eine beste Freundin die mir bei meinen Sorgen zuhört, oder einen festen Freundeskreis, der zu mir hält…  Diese beinahe selbstverständlichen Dinge hatte ich nicht. Aus den Augen aus den Sinn- war die Devise !

Ich ging also erst einmal wieder zurück nach Achim, um mich dort zu finden.  Jedoch wagte ich im gleichen Zuge einen nächsten Schritt. Wohnen im relativ entspannten Achim und arbeiten in der hektischen Großstadt Bremen. Die Mischung tat mir zu diesem Zeitpunkt gut und ich entschloss mich nach weiteren drei Jahren auch in Bremen zu wohnen.

Großstadtleben…Ich, die kleine Marie,  die nicht genau weiß was sie will  und wonach sie wirklich sucht.

Der Weg zur Arbeit, tausend fremde Gesichter ziehen an mir vorbei, laute S-Bahnen rattern im Sekundentakt. Ständig hört man das Hupen der Autos, weil die Frau da vorne im dreispurigen Kreisel mit 6 Ausfahrten nicht zurecht kommt. Feierabend um 20 Uhr- Partystimmung in der ganzen Stadt. Egal an welchem Wochentag, hier gibt es immer Grund zu feiern. In der einen Ecke liegen vier Obdachlose, an der anderen Straße steht eine bekannte Betrüger-Bande und da vorne am Pub prügeln sich mal wieder Hans und Franz.

Fremde GesichterBei der Arbeit lernte ich meinen Mann kennen. Wir waren uns sehr schnell einig, das wir wie die Faust aufs Auge passten und entschlossen uns, auf bald Kinder zu kriegen. Nach kurzer Zeit kam dann auch schon unser Sohn und um das Familienglück perfekt zu machen, folgte sehr zeitig unsere Tochter.

Kinder und Großstadt, geht das? Setze ich mein Kind dann in die Bahn und lasse es acht Stationen weit zur Schule mit bepinkelten Betrunkenen Fahren? Andere Eltern tun es doch auch und ihre Kinder werden auch groß und studieren!

Und was kommt nun wieder?

Die Frage aller Fragen, die sich so in meinen Kopf eingebrannt hat. Wie oft denn noch? Ich will doch endlich mal ankommen! Wo ist meine Heimat? Und dieses Mal war es ein lauter Hilfeschrei, der mit vielen Tränen und schlaflosen Nächten verbunden war.

Doch dann kam der erlösende Anruf aus der Ferne. Am anderen Ende des Telefons sprach mein Vater aus Prenzlau: “Du Marie, in meinem Geschäft ist eine Stelle frei geworden! Was hältst du davon, wieder nach Prenzlau zu kommen? Dein Mann macht sich sicher gut in meinem Unternehmen.”

Auf diese Idee, wieder zurück nach Prenzlau zu kehren, darauf wäre ich nie gekommen. Ein neuer Versuch für mein ersehntes Ziel nach einer Heimat. Versuch? Nein, das hier darf kein Versuch mehr sein. Ich habe 13 Jahre lang alles versucht und bin nie zur Ruhe gekommen. Dieses Mal sollte es endgültig sein!

... und die Reise geht weiter Prenzlau, mein alter Geburtsort, hier habe ich einst 14 Jahre gelebt und dann für eine lange Zeit meinen Vater und meine Großeltern verlassen. Nun reise ich wieder zurück in den Osten und hinterlasse nun meine Mutter und eine sehr gute Bekannte. Traurig, aber ich denke hierbei nun an die Zukunft meiner Kinder. Ruhig wünsche ich es mir. Am liebsten auf dem Land, ein kleines Fachwerkhaus mit einem großen Garten. Ein bisschen auf Selbstversorger machen, das wäre genau mein Ding. Keine Hektik auf den Straßen, keine wilden Menschenmassen in der Stadt und dazu noch eine Brise Natur, soweit das Auge reicht.

Kann Prenzlau mir das bieten?

Meine gute Bekannte aus Bremen kam mich als erstes nach unserem großen Umzug für einige Tage besuchen. Sie hasst auch den Stress und die Hektik der Großstadt, aber Sie schafft es, sich ab und an mal fallen zu lassen. In ihrem gemütlichen kleinen  Vorgarten genießt sie gelegentlich ihren 16 Uhr Kaffee aus der Mokkakanne und ließt dabei ein gutes Buch. Nach dem Motto, ich gönne mir nach der Arbeit eine Auszeit und lasse den Staubsauger erst einmal im Schrank verhungern. Für diese Einstellung bewundere ich Sie, denn Sie achtet dadurch sehr auf sich und ihre Gesundheit. Und bei ihr ist es nicht viel schmutziger, als bei mir!

Als sie nun bei mir in Prenzlau war, setzte ich mich mal wieder zu sehr unter Druck und erstellte uns einen straffen Kulturplan. Ich durchforstete das Internet, ging die Stadt auf und ab, auf der Suche nach Unterkünfte und besuchte die Prenzlauer- Stadtinformation.

Nun denn, ich wollte halt was bieten und ihr MEIN Prenzlau zeigen. Was ich bis dato selbst gar nicht richtig kannte. 

Wir gingen ins Dominikaner Kloster, besuchten dort ein Mittsommerkonzert im Friedgarten, wir fuhren zu einem Bio-Kräuter- Garten nach Grünow und deckten uns mit den außergewöhnlichsten Kräutern ein. Auf der Freilichtbühne schauten wir uns eine Vorstellung zum Welt-Flüchtlingstag an. Wir umwanderten die Prenzlauer Stadtmauer  und machten eine Fahrradtour um den schönen Uckersee. Des weiteren  fuhren wir nach Templin und nach Boizenburg zur Schokoladen-Manufaktur.

Dominikaner Kloster
Dominikaner Kloster, Ina Heinig

Ich bin so dankbar, das sie mich besuchen kam,denn ohne sie wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Prenzlau so schnell zu erkundschaften.

Es waren schöne Tage und sie fühlten sich an,  wie ein gelungener Urlaub in weiter Ferne. Aber für diesen Urlaub musste ich nicht weit reisen,  denn ich habe den Urlaub in meiner Heimat verbracht.  Die langen Reisen lasse ich nun hinter mir.  Ich bin angekommen und es hat gerade mal sieben Monate gedauert.  

Meine alte/neue Heimat Prenzlau

Uckersee im Winter
Uckersee im Winter, Ina Heinig

Für jeden Neuankömmling hier in Prenzlau: Egal von wo du kommst und warum du kommst, in dieser kleinen Stadt ist eine Menge los. Schau dich hier in Ruhe um. Nimm dir ab und an was vor, denn nur so kommst du unter Menschen. Genieße die herrliche Luft am Uckersee oder entdecke die vielen beeindruckenden Wälder in der Uckermark mit ihrer vielseitigen Flora und Fauna.  Nutze das UMsoNet.de als erste Anlaufstelle, hier findest du allerhand Veranstaltungen in und um Prenzlau.  Trau dich nun einen Schritt weiter zum DIESTER.  Hier findet jeden Dienstag von 10-16 Uhr das viel besuchte Erzähl-Cafe statt. Tausche dich mit waschechten Prenzlauern und neu Zugezogenen aus, hier steht jeder jedem mit Rat und Tat zur Seite. Brauchst du Hilfe beim Ausfüllen von Unterlagen oder suchst du einfach nur neue Kontakte?     Dann schau vorbei!

Marienkirche im Raps
Marienkirche im Raps gebettet, Ina Heinig

Und solltest du dann doch mal den Überblick verlieren, dann steige einfach die 234 Stufen der Marienkirche hinauf und schaue von weit oben, auf unser kleine Stadt Prenzlau.

Gelungene Integration mit Musik und Tanz

 

Kultur pur! Das von dem Bunten Bündnis veranstaltete zweite Willkommensfest in der 5-Sterne Cantine stand für gelungene Integration. Gleich drei Musikgruppen spielten ganz ohne Gage und animierten zu Tanz und Fröhlichkeit. Bevor die Gruppen ihr wirklich wunderbares Programm spielten, wurden die Instrumente – vornehmlich Trommeln und andere Rhythmusinstrumente – allen Gästen zur Verfügung gestellt und von diesen genutzt. Großeltern, Eltern und Kinder – alle Generationen waren vertreten. Integration und Toleranz, wo soll es einfacher gehen als bei Tanz und Musik? Der große Veranstaltungsraum verwandelte sich in ein Kulturzentrum, Kontakte wurden geknüpft, Informationen ausgetauscht. Ein gelungenes Fest, bei dem Integration gelebt wurde.

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