Unserem Wasser geht es dreckig, BUND-Aktion

Unserem Wasser geht es dreckig. Giftiges Nitrat, Pestizide, Schadstoffe und Mikroplastik: Das hat im Wasser nichts zu suchen! Bundesumweltministerin Schulze muss unser Wasser besser schützen. Jetzt Protest abschicken!

Quelle: Unserem Wasser geht es dreckig | BUND-Aktion

Letztes Jahr haben wir in einem Dorf in der Uckermark das Brunnenwasser analysieren lassen. Das Ergebnis war erschreckend, das Wasser ist durch AOX stark belastet. Hier der Beitrag https://www.uckermark-social-network.org/brunnenwasser-in-der-uckermark-durch-aox-stark-belastet/

Der kleine Ratgeber, jetzt Baumscheiben freilegen

Go with the flow..

Jetzt ist genau die richtige Zeit um die Baumscheiben von jungen Obstbäumen freizulegen. Die Grasnarbe ist noch leicht zu entfernen, da die Wurzeln sich noch leicht abschälen lassen. Was gibt es eigentlich Schöneres, als auf der grünen Streuobstwiese unter einem blühenden Apfelbaum diese Arbeit durchzuführen?

Die Baumscheiben werden in einem Durchmesser von ca. 1 Meter um den Stamm angelegt. So wird vermieden, dass Beikräuter und Gräser den jungen Bäumen das Wasser und die Nährstoffe streitig machen. Es ist zu empfehlen, die Baumscheibe ca. 8 Jahre frei zu halten. Der Baum wird so besser versorgt und ist damit widerstandsfähiger. Fehlt es an einer Baumscheibe, bilden sich die Wurzel des jungen Baumes nicht in die Tiefe, sondern konkurrieren an der Oberfläche mit den Gräserwurzeln. Solange die Bienen noch ihren Job erledigen, ist dann auch ein besseren Ernteergebnis zu erwarten.

Mein Landleben & anderes (14)

Wie man Buddha zum Lachen bringt

Wer kennt das nicht: Plan A ist gescheitert, Plan B hatte Fehler, und schwupps ist man bei Plan C!? Zugegeben, nicht jeder Mensch ist dazu in der Lage. Hört man sich um, scheinen viele nicht mal einen ersten Plan für das eigene Leben zu haben. Jedenfalls macht es im Alltag den Eindruck, wenn sie ihr Lamento ausschütten wie altes Spülwasser. Aber dann gibt es da noch die Anderen. Einer von ihnen ist mein junger Freund Rudi.

Rudi ist inzwischen bei Plan S angelangt. Er ist der geborene Planer. Und irgendwie ist er auch ein Tierversteher. Mit diesen beiden Begabungen hat er sein erwachsenes Leben in die Hand genommen und konsequent mit A begonnen. Mit seinem ersten Projekt wollte er den Ameisenbär wieder in unserer Gegend ansiedeln. Dass es den in der Region gegeben haben muss, ist angesichts der Schäden und Belästigungen durch Ameisen nur logisch. Also hatte er schnell Kooperationspartner und Unterstützer an seiner Seite: Die Forstwirtschaft war begeistert, der Touristikverein witterte eine Chance, die Stadt wollte ihr Wappen ändern. Die umliegenden Ganztagsschulen gründeten schon mal vorab Wald-AGs, in denen Rudi ehrenamtlich Vorträge über den Ameisenbär hielt. Der Zoo wollte Rudi eine Halbtagsstelle als Ranger einrichten. Der Naturschutz dachte sich, dass der Ameisenbär nach der Rückkehr des Wolfes auch gut in die Landschaft passen würde – und dass ein Bär schließlich ein Bär wäre. Gescheitert ist dann alles am Zoll. Tja, jeder hat seine Aufgabe und Visionen, also auch der Zoll.

Den Kopf hat Rudi aber deswegen nicht hängen lassen. Vielleicht gab es für ihn schon lange den Plan B. Es war das Domestizieren der Beutelmeise. Er wollte sie für die Jagd auf Nacktschnecken abrichten. Damit hatte er natürlich auf dem Land den überreizten Nerv einer riesigen Klientel getroffen. Und im wahrsten Sinne flugs alle Kleingartenbesitzer und einen Großteil der ländlichen Bevölkerung hinter sich. Die erzwungen nach dem ersten Zeitungsartikel über Rudis Vorhaben mittels Petitionen eine Unterstützung durch die Regionalpolitiker. So bekam Rudi das Gelände einer ehemaligen LPG zum symbolischen Ein-Euro-Preis verkauft, wo er riesige Volieren errichten ließ. Anschließend musste natürlich auch ein Sichtschutz her, dass er ungestört von Presse, Schaulustigen und vor allem Investoren mit den Beutelmeisen trainieren konnte. Dann wurde es lange still um den Fortgang seines Projekts. Aus dieser Zeit rühren auch die Anfänge unserer Freundschaft. Kurze Zeit vorher hatten wir uns flüchtig auf einer Kontakt-Messe kennengelernt. Jetzt bat er mich, ihn bei der Erziehung der Beutelmeisen zu unterstützen. Nein, es war keine große Aufgabe, die er mir antrug. Ich musste lediglich die in handelsüblichen und sogenannten Maurertuppen angelieferten Nacktschnecken aus der Umgebung entgegennehmen und katalogisieren. Rudi hatte sich in den Kopf gesetzt, für jede Sorte lokaler Nacktschnecken die passenden Beutelmeisen-Charaktere herauszufinden. Um seinen Kunden eine Garantie geben zu können. Dazu braucht man eine Systematik und eine gut dokumentierte Forschung, welche einer Universität würdig ist. Wie gesagt, Rudi ist ein kluger Kopf. Was er nicht bedacht hatte, war die Größe der Schnecken. Nach einer Woche harten Trainings kam er zu mir ins Büro und meinte zerknirscht: „Die Meisen haben zu kleine Beutel, da passt nicht mal eine Schnecke rein.“

Aber Rudi fing sich wieder. Wir ließen alle Vögel frei und kurzzeitig gab es eine Beutelmeisen-Plage in der Region, die aber nur die Besitzer von großen Sonnenblumenfeldern störte. Plan C war ein Chinchilla-Circus, mit dem Rudi in Island gastierte. Die Isländer waren hin und weg von dieser Sensation, seine Tour wurde von staatlicher Seite gefördert und er bekam auch einen landestypischen Orden für seine Verdienste. Das alles ereignete sich in der ersten Woche seines Gastspiels auf der Insel. Denn schon kurz nach diesem umjubelten Auftakt begannen die Chinchillas mangels geeigneter Nahrung die Manege zu zerlegen. So gelangten sie in die freie Wildbahn und waren nicht mehr gesehen. Schließlich sind sie nachtaktiv.

Inzwischen arbeitet Rudi – nach vielen anderen Unternehmungen und wie schon erwähnt – an Plan S. Als Planer, der vollständig von seiner Aufgabe durchdrungen ist, hält er sich tatsächlich bei seinen Projekten an das Alphabet. Aktuell: die Schafstelze. Ach, ich beneide diese jungen Menschen wie Rudi. Sie haben immer eine zündende Idee, sind auf der Höhe der Zeit und wirken für die Gemeinschaft. In unserer Region gibt es viele Schafhalter und also auch noch mehr Schafe. Außerdem ein allmählich erwachendes Bewusstsein für ökologisch-natürliches Bauen. Schafwolle ist ein hervorragender Dämmstoff. Also hat er einige Schwärme von Schafstelzen dazu abgerichtet, Schafwolle in großen Mengen einzusammeln. Anschließend liefern sie ihren Ertrag in einer nahe gelegenen Dämmstoff-Fabrik ab. Damit sparen Schafhalter die Kosten für den Schafscherer, Touristen werden nicht mehr von rumfliegenden Wollflusen belästigt und die Schafe sind glücklich über die tägliche Massage. Nur ein kleines Problem ist inzwischen aufgetreten. Einige Schafstelzen wurden ertappt, als sie Wolle für eigene Nester abzweigten. Diese hatten schon Größen erreicht, als wollten Kraniche darin brüten. Aber auch dafür wird Rudi eine Lösung finden.

Also: Wie bringst du Buddha zum Lachen? Genau: Du machst einen Plan und erzählst ihm davon. Wenn du aber einen Lachanfall erleben willst, hältst du – egal, was passiert – einfach ganz fest an deinem Plan. Willst du aber mit ihm lachen, dann mach Pläne und überlass dich dem Leben.

LETSgo – ein lokales Handelssystem. Bezahlen mit dem Ucker-Coin

LETSgo – Local Exchange Trading System

Das Uckermark-Social-Network erweitert das Serviceangebot um ein Lokales Handels- und Tauschsystem “LETSgo”. Jede/r Nutzer*in hat nun ein Konto, mit dem Waren und Dienstleistungen (z.B. Gemüse, Gartenarbeit, Nachhilfestunden, Massage oder Hilfe bei IT-Dienstleistungen) verrechnet werden können. Der Wert des Ucker-Coins orientiert sich an der Landeswährung, kann aber nicht 1:1 eingetauscht werden.

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A Place To Bee | BUND-Aktion

In Deutschland sind mittlerweile 197 Wildbie­nenar­ten gefährdet und 31 Arten vom Aus­ster­ben bedroht. Helfen Sie, dass Deutschland ein Ort für Bienen bleibt! Senden Sie eine Mail und appellieren Sie an an Landwirtschaftsministerin Klöckner und Umweltministerin Schulze, das Bienenster­­ben zu stoppen!

Quelle: A Place To Bee | BUND-Aktion

Gülle-Ausbringung bei Dauerfrost u. Verstoß gegen Sonntagsfahrverbot

Seit Tagen herrscht Dauerfrost im Bereich von -3 bis -12 Grad und das Ausbringen von Gülle ist gemäß der Düngeverordnung deshalb verboten. Puuhh.. es stinkt uns gewaltig! Ab Freitagabend lässt man lieber das Fenster im Dorf geschlossen. Trotz tiefem Bodenfrost wird Gülle ausgebracht! Die Ausscheidungen von über ca. 5.500 Rinder ist eine Herausforderung und wenn die Speicher voll sind, muss es raus aufs Land. Aber bitte nicht, wenn die Böden steinhart gefroren sind. Die Gülle bleibt so an der Oberfläche, stinkt zum Himmel (Feinstaub) und bei Niederschlägen wird sie in die nahe gelegenen Oberflächengewässer gespült.

Gülleausbringung bei Bodenfrost am Sonntag 18. März 2018

Seit Freitag donnern hochglanzpoliert rote Gülletransporter eines Fuhrunternehmers aus Osnabrück im Takt von 30 min. die Dorfstraße auf und ab. Sonntags herrscht Fahrverbot für LKW ab 7,5 t und es gibt für Gülletransporte keine Ausnahmegenehmigung. Die schweren Tanklastwagen fahren ab 5:30h auch am Sonntag Gülle von einem  Agrarunternehmen in Dedelow auf ein Flurstück zwischen Schönwerder und Bandelow (eine mit Entwässerungsgräben durchzogene Fläche mit Anschluss an den nicht weit entfernten Bach Ucker).

Derzeit findet eine amtliche Überprüfung statt, ob ein Verstoß gegen die Düngerverordnung und des Fahrverbots vorliegt. Ein beauftragter Fahrer wurde direkt von der Polizei Uckermark am Sonntag vor Ort angesprochen. Ab ca. 16:30h wurden danach die Gülletransporte eingestellt.

Am folgenden Tag, Montag 19. März ab ca. 5:30h wurden die Gülletransporte fortgesetzt.

Melden könnt Ihr solche Verstöße direkt an das Dezernat für Bauen, Bildung, Landwirtschaft, Umwelt und Kreisentwicklung.

Weitere Informationen und ein Interview zum Thema:

Gleichgültig ob Acker oder Wiese: auf schneebedeckten und/oder gefrorenen Böden darf nach den Vorschriften der Düngeverordnung keine Gülle ausgebracht werden. Missachten Landwirte das Verbot, machen sie sich strafbar.

Quelle: Düngeverordnung: Verboten: Gülle-Ausbringung bei Schnee und Frost | Nachrichten | BR.de

Freie Scholle in der Uckermark Gesuch(t)

Videobotschaft von Martin und Johanna aus Gerswalde

Hier keimen die ersten Saaten und wir scharren mit den Hufen, dass der Winter geht und wir so richtig loslegen können. Gestatten wir stellen uns mit unserem Projekt kurz vor.

Also, wer von Euch noch was spenden kann und mag ist herzlich eingeladen, unsere Kampagne zu unterstützen.
Zudem suchen wir noch Verteilerstellen in Berlin für unsere wöchentlichen Gemüsekisten-Lieferungen ab Anfang Mai. Wenn Ihr geeignete Läden im Erdgeschoss kennt, die für 2 Stunden pro Woche 1-2 Quadratmeter zur Verfügung stellen können, sagt uns bitte Bescheid. Gerne Läden, die ohnehin geöffnet sind und von unseren Aktivitäten profitieren. Wir kommen von Norden nach Pankow rein. Passend wäre also Pankow, Prenzlauer Berg, Kreuzberg 36 und 61.
Für die Freie Scholle www.freiescholle.net
Beste Grüße Martin und Johanna

Mein Landleben & anderes (13)

Ideen spalten, hydraulisch

Ich stehe gerade an meinem Holzspalter. Auf der Werkbank, ein paar Schritte entfernt, liegt ein Notizblock. Nach jedem gespaltenen Kloben – manchmal auch mittendrin – ziehe ich meine Handschuhe aus, gehe zu dem Block und notiere mir einige Zeilen. Dann wieder Handschuhe an, den nächsten Kloben raufwuchten und spalten. Das ist mein Alltag.

Wie es dazu kam? Jeder, der schon mal versucht hat, Geschichten zu schreiben, weiß, dass einige begünstigende Faktoren zusammenkommen müssen. Zumindest, um gute Geschichten zu schreiben. Ich will hier niemanden langweilen, aber ein für mich wichtiger Faktor ist: Ruhe. Auch wenn Charles Bukowski mal gesagt haben soll, dass diese Vorstellung „shit“ ist und dass in Ruhe noch nie ein Meisterwerk entstanden ist. Vielleicht hatte er Recht für seine Person und wir sind vom Temperament sehr unterschiedlich. Und ob das Entstandene ein Meisterwerk ist, entscheiden meist doch andere Personen. Oft auch erst nach dem Ableben des Künstlers. Bei Charles und mir ist das anders. Aber wie dem auch sei, vielleicht ist „innere Stille“ ein treffender Begriff für den Zustand, den ich meine. Und den erreiche ich nicht, wenn ich von meiner Frau Luise ständig über ihre Alltagsverrichtungen informiert werde. Zum Beispiel macht sie das Bad mal von Grund auf sauber. Dabei sortiert sie aus. Alte Tablettenpackungen, überlagerte Crémes, nicht mehr funktionierende Moorschlammwärmflaschen und vieles mehr. Bei jedem Ding fragt sie mich, ob ich das noch behalten will. Das ist schon richtig, wir sind da sehr rücksichtsvoll miteinander. Aber wenn ich schreibe, dann  s c h r e i b e  ich! Was sowieso schon schwer ist in einem Durchgangszimmer, was mir als Arbeitszimmer dient. Alles geht durch dieses Zimmer und meinen Kopf, nur bleibt es nicht dort für eine Geschichte. Ich fühlte mich wie eine Durchgangsstation, bis sich unbeabsichtigt eine Lösung fand.

Irgendwann bemerkte ich, dass die meisten Geschichten beim Holzspalten in meinem Kopf entstehen. Warum das so ist? Nun, es ist eine langwierige Arbeit, da der Berg von Holzkloben, welcher im jahreszeitlichen Rhythmus unseren Hof füllt, groß ist. Außerdem bin ich allein bei dieser Arbeit, muss also mit niemandem reden. Würde auch gar nicht möglich sein, weil der Spalter zu viel Lärm macht. Ja, ich arbeite mit einem hydraulischen Gerät. Unser Ofen frisst Scheite bis 70 Zentimeter Länge. Körperkraft ist also mit einem Spalter nur zum Hochheben der Kloben nötig, ansonsten brauche ich vor allem Konzentration. Solches Arbeiten ist meditativ, kann ich Ihnen sagen. Ja, und dabei entstehen Geschichten. Also zuerst erscheinen nur Ideen in meinem Kopf, sehr grob wie diese Kloben. Wie das dann weiter geht, weiß ich nicht so genau. Aber ich habe folgende Vermutung: Die groben Ideen spaltet mein Denken in kleinere Teile, handlich in verschiedener Größe. Alle sind vom selben Material, also dem des Ursprungs-Ideen-Klotzes. Manchmal stammen sie auch vom vorherigen, dann war es wohl derselbe Baumstamm. So liegt dann eine Unzahl an Stücken vor mir (ach, frisch gespaltene Eiche duftet so herrlich). Die ich sortieren muss, dass eine echte Geschichte daraus wird. Das ist dann das Stapeln.

Als ich Luise davon das erste Mal begeistert erzähle, unterbricht sie mich, weil Berichte von meinen handwerklichen Tätigkeiten sie langweilen. Anders ist es mit Geschichten: „Wie hast du das denn früher gemacht, in der Stadt?“ Dazu muss ich kurz erwähnen, dass wir noch nicht lange verheiratet sind. Ich bin irritiert: „Da hatte ich doch keinen Holzofen, kein Holz und keinen Spalter.“ Sie schaut entrüstet: „Mann, das mit den Texten!“ In meinem Kopf spult die Zeit rückwärts. Grässliche Erinnerungen kommen hoch und ich stöhne: „Das willst du nicht wissen.“ Doch sie will. Also erzähle ich ihr, wie ich mit Mitte zwanzig Autor werden wollte. Welch ein Traum! Ich hatte zu der Zeit schon eine Menge Künstlerbiographien gelesen. Zumeist hatten diese Menschen in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts ihre kreative Zeit gehabt und viele wurde später von der Kunst- und Literaturgeschichte dem Expressionismus zugeordnet. Was waren das für Lebens- und Leidenswege! Also diese Literaten und bildenden Künstler waren in ihren Werken so kraftvoll, wie ich auch sein wollte. Dafür taten sie viel. In meiner Vorstellung unterteilte ich sie in zwei Typen: Die einen hatten ständig Gleichgesinnte und Anhänger um sich. Sie waren lautstark, feierten Partys, hatten jede Menge Sex, experimentierten mit Drogen und Alkohol soffen sie sowieso. Ihre Texte hatten etwas spontanes. Die anderen schrieben ihre Texte voller Tiefgang in dunklen Löchern, waren depressiv, arm und kauften den billigsten Fusel. Da ich schüchtern war, kaum Geld hatte, keine Groupies und auch sonst niemanden für Sex, blieb nur die zweite Variante. Es war anstrengend und einsam, kann ich Ihnen versichern. Eine Flasche Whisky, ein Vorrat an Tabak. Ansonsten in dem abgedunkelten und einzigen Raum meiner Wohnung nur meine mechanische Schreibmaschine und ich. Das sollte reichen, ging aber nicht gut. Mir ging es gar nicht gut und die Texte waren einfach nur schlecht.

Luise streicht mir über den Kopf: „Diese schlimme Zeit hast du ja jetzt hinter dir.“ Ja, habe ich, ein großes Seufzen schüttelt mich noch heute. Mein Leben auf dem Lande ist viel gesünder. Ich habe eine schöne und kluge Frau, die wunderbar kocht und meinen Tabak versteckt. Die Notwendigkeit des Holzspaltens und die Lust des Schreibens sind eine natürliche Symbiose eingegangen, denn inzwischen sind alle freien Stellen auf unserem Hof mit Holzstapeln zugestellt. Ich habe die Gewerbegenehmigung für einen Holzhandel in der Tasche und Gerüchte gehört, dass ich für einen großen deutschen Buchpreis nominiert sein soll.

Praxistipp, Holzhacken leichter gemacht

Eiskalt und trocken – Jetzt ist Zeit zum Brennholz machen.

Wer kennt das nicht? Beim Hacken eines einzelnen Holzklotzes muss man sich meist mehrmals bücken. Wir haben einen Tipp für Euch, den auch bestimmt Eure Krankenkassen gut finden, denn er ist rückenschonend. Wie das geht, zeigt hier das vierminütige Video. Viel Spaß beim Holzhacken. Entdeckt, getestet und nachgebaut von einem NeuUckermärker und Mitglied im UmSoNet. Wir danken Hans für seinen Beitrag.

Mein Landleben & anderes (12)

Grundkurs: Schafe halten

Wer auf’s Land zieht oder auf dem Land lebt, braucht unbedingt Tiere in seiner näheren Umgebung. Das versteht sich von selbst. Sonst hätte er ja auch in der Stadt bleiben können. Sicherlich gibt es auch in der Stadt Tiere. Doch schauen wir einmal hinter den Jubel, dass die Wildnis sich die Stadt zurückerobert, dann sehen wir zwei abstruse Entwicklungen. Die einstmals wilden Tieren wie Füchse und Tauben zeigen ein Verhalten, als wollten sie adoptiert werden. Die sogenannten Haustiere aber sind meist an ihr dort beschränktes Leben so gewöhnt, dass sie ihren Haltern nach einiger Zeit keine Freude mehr machen. Sie verlieren ihre Ursprünglichkeit, wegen der sie ja eigentlich mal erworben wurden. Die ihnen verordneten Namen, Einschleimbezeichnungen und auch überfüllte Tierheime sollten dafür als Beweise reichen.

Also zurück (oder voran) zum Landleben mit Tier. Man kann sich natürlich seinen neuen Wohnort danach aussuchen, ob Nachbarn Tiere besitzen. Eine weitere Variante wäre, nach einer ausgedehnten Kuhweide oder Pferdekoppel Ausschau zu halten, neben der man dann lebt. Wem das nicht reicht, der sucht einfach im örtlichen Telefonbuch nach einer industriellen Tieranlage. Da hat man mit einem Schlag einfach viel Tier in seiner Nähe. In der einschlägigen Ratgeberliteratur für Stadtaussteiger wird zwar von der Nachbarschaft zu Schweinemastanlagen, Legehennenbatterien und Milchverarbeitungsanlagen abgeraten. – Die Reizüberflutung für den Ex-Stadtbewohner wäre zu groß. Nicht, dass er daran nicht gewöhnt wäre. Aber Lärm und Geruch von Maschinen in der Stadt seien einfacher körperlich zu integrieren als von Lebewesen. Sollen Forscher herausgefunden haben. – Also ich denke, ein Herdenfan sollte das einfach mal ausprobieren. Sich für den Anfang in einer Ferienwohnung in der Umgebung einer solchen Anlage einmieten. Eventuell berauscht ihn der konzentrierte Geruch von Gülle so sehr, dass er demjenigen das Bedürfnis nach synthetischen Drogen aus seinem einstmals urbanen Umfeld ersetzt. Dann kann er zum Betreiber der Anlage wegen eines Jobs gehen. Schließlich hat er auf diese Weise sein Hobby zum Beruf gemacht.

Aber das sind alles nur schwache Versuche, sich ein neues Leben (und das soll es ja auf dem Land werden!) mit Tier oder Tieren einzurichten. Am besten ist also der lohnende Versuch, selbst welche zu besitzen. Ich rate da gern zu Schafen. Denn die sind Stadtbewohnern ähnlich: Sie haben hohe Ansprüche, können aber auch unter schwierigen Bedingungen überleben und finden zudem noch etwas Positives daran. Ja, auch Schafe haben eine Seele. Deshalb ist es wichtig, sich über die Wahl der Schafrasse, des einzelnen Charakters, der Anzahl der Tiere und des Lebensraums klar zu werden. Fährt man zu einem Schafhalter, sollte man vorher wissen, ob der Tiere verkaufen will. Ist dem eigentlich nicht so, ergibt sich ein Problem. Nein, nicht jenes, dass man mit leeren Händen zurückkommt, sondern mit leeren Taschen. Da das Geld, welches für den Hausbau oder -kauf geplant war, für einen unverschämten, aber selbst verschuldeten Handel draufgegangen ist. Also sollte man vorher im internationalen Netz recherchieren, Angebote einholen, Preise vergleichen, ausgiebig Kundenrezensionen lesen.

Die Wahl der Rasse ist einfach: Man entscheidet sich nach dem Aussehen. Schließlich wird man seine Schafe später tagtäglich vor Augen haben, also sollten sie schick sein. Das ist wie mit der eigenen Kleidung. Die Sache mit dem Charakter gestaltet sich schwieriger. Hat man den Schafverkäufer seiner Wahl gefunden, ist dort ausreichend Zeit vonnöten. Denn bekanntermaßen haben Schafe einen Tagesrhythmus, der aus 8 Stunden grasen, 8 Stunden wiederkäuen und 8 Stunden schlafen besteht. Ist man also zur falschen Zeit am richtigen Ort, hilft nur Geduld. Schließlich muss man das Wesen des Schafes lesen. Das ist schwierig, wenn sie gerade in einer Ecke herumlungern, an dem Besucher nicht interessiert sind und nur meditativ in die Ferne starren. Oder pennen. Sind sie auf der Weide unterwegs, bekommt man einen hervorragenden Einblick in ihre Eigenheiten, Schwächen und Stärken. Am besten folgt man ihnen dabei unbemerkt. Auf keinen Fall sollte man sich für sogenannte Grenzgänger entscheiden. Das sind Schafe, denen das Gras auf der anderen Seite des Zauns immer grüner und verlockender erscheint als auf der eigenen Weide. Sie versuchen mit allen Mitteln und Tricks dorthin zu gelangen. Nur wer sportliche Extremsituationen regelmäßig liebt, über zu viel Zeit verfügt oder seinen Vertrag im Fitnesscenter gerade gekündigt hat, sollte sich dieser Herausforderung stellen. Allzu ruhige und sich vereinzelnde Tiere sollte man auch nicht wählen. Wer will jeden Tag ein lethargisches und griesgrämig dreinblickendes Etwas vor sich haben? Gerade bei diesen langanhaltenden Schlechtwetterlagen in unserer Region ist Frohsinn nötig. Also Mut zum lustigen Schaf, sage ich nur. Es ist nicht einfach zu finden, aber die Anstrengung lohnt sich.

Die Größe der eigenen Herde sollte man nicht knausrig bemessen. Denn es leuchtet ja jedem sofort ein, dass mehr Schafe mehr Freude bereiten als wenige. Eine Faustregel besagt, die Menge der Schafe an der Anzahl von Familienmitgliedern plus gutwilligen Freunden auszurichten. Erstens hat man dann genug Namen, die zu vergeben sind und zweitens gibt es damit für jedes Schaf einen personalisierten Paten. Wenn also aus einem absurden und eher unwahrscheinlichen Grund eine Notsituation auftreten sollte, kann man die Verantwortung abgeben. Aber auch für weniger prekäre Situationen hat man damit immer eine schnelle Lösung an der Hand. Zum Beispiel sollten Schafe in erster Linie dekorativ an der richtigen Stelle stehen. Dafür sorgen dann die Paten, wenn die Tiere das noch nicht selbst können. Auch lässt es sich nicht umgehen, dass die Schafe mal den Weideort wechseln. Das bedeutet, jedes Tier benötigt einen helfenden Menschen, da Schafbeine relativ kurz sind. Also sollte man sich gleich zu Beginn der Schafsplanung mit einer ausreichenden Menge an Wochenend-Dörflern anfreunden, damit sie dies übernehmen. (Vom Versuch, Einheimische dafür zu begeistern, wird abgeraten.) Man tut diesen Menschen sogar einen Gefallen, wenn man ihnen solche Aufgaben übergibt. Sie werden begeistert sein, weil sie ja in ihrer knapp bemessenen Outdoorzeit das Abenteuer suchen. Das Thema der passenden Weide kann man getrost bis zum Eintreffen der Schafe hinausschieben. Eine grüne Fläche findet sich meist spontan. Entweder ist es der eigene Vorgarten, der umgenutzt wird. Oder der des Nachbarn. Beliebt sind auch gut gepflegte Dorfplätze und Baumschulen. Außerdem eignen sich nahegelegene Fußballstadien. Dabei ist zu beachten, dass man sich mit dem ortsansässigen Verein wegen der Nutzungszeiten abspricht, um den Schafen nicht übermäßigen Stress zuzumuten. Abzuklären ist auch, ob es sich bei der Fläche um Kunstrasen handelt. Davon raten viele Handbücher ab, da diese Art aufgenommenes Gras später als Schafskot nicht verwittert. Hat man viel Freizeit, kann man auch mit den Schafen herumziehen. Dazu, genau wie für die Themen niedliche Lämmchen, Fortpflanzung und Widder, gehören aber einige Fertigkeiten und eine Portion erweitertes Fachwissen, welche in einem Aufbaukurs vermittelt werden.

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