Smart Gardening – Elektronische Schafe im ländlichen Raum

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Bestimmt hast Du Dich schon mal gefragt, was unter dem Begriff “Smart Gardening” zu verstehen ist. In dieser Kolumne wird es kurz erklärt, wie die schöne neue Welt funktioniert.

Zunehmend werden alte Häuser von Berlinern als Ferien-oder Wochenendhäuser in der Uckermark genutzt. So kommt es, dass es in einigen Dörfern an Wochentagen recht beschaulich und ruhig zugeht aber Freitagabend rücken sie dann an, die Wochenend-Uckermärker. Die ansässige Bevölkerung hat dann schon alles schick gemacht im Außenbereich. Die Gehwege sind gekehrt und der Grünstreifen zwischen Straße und Haus ist kahl rasiert, die Straßenrinne vom Dreck befreit. Sämtlicher Rasen auf dem Grundstück ist gemäht.

Samstagmorgen kann man den Berlin beobachten, wie er mit seinem Geländefahrzeug (das braucht man wohl neuerdings in Berlin) zum Supermarkt fährt, um frische Brötchen zu holen. Ist dann das typische Landfrühstück: Aldi-Marmelade, Brötchen und den Jacobs-Kaffee einverleibt. Nun  kommen sie zu zweit uniformiert aus dem Haus. Gelbe Gummistiefel,  grüne Latzhose und ein kariertes Holzfällerhemd ist Pflicht, im Partnerlook. Auch die Frisur ist angeglichen, kurzer Meggy Schnitt, grau melliert.

Nun geht es los, die modernen Errungenschaft werden an das Landleben adaptiert. “Smart Gardening” in der Uckermark hält den Einzug! Wie geht das zusammen? Alte Backsteinhäuser mit Golfrasen hinterm Haus, kein Problem! Berliner nehmen sich dazu die drei Wochen der wertvollste Zeit im Jahr, leihen sich ein Minibagger aus und los geht das Vergnügen. Von morgens bis abends ist ein sanftes brummen des Baggers im Dorf zu vernehmen. Mit glänzenden Augen wird auf dem Grün ein Graben gebuddelt, in dem dann das smarte Bewässerungssystem verlegt wird. Mit chirurgischer Genauigkeit wird die Grasnarbe wieder repariert.  Aber was ist daran smart? Ein ca. 3.000 m2 großes Grundstück zu umzäunen, zu panieren, um einen Rasenteppich anzulegen. Längst schiebt der Berliner nicht mehr seinen Rasenmäher in einer gelassenen Monotonie über seinen ganz privaten Wembley Rasen, nein diese Arbeit übernimmt sein Rasenroboter. Damit dieser seinen Weg findet, hat der Wochenendgärtner noch das halbe Grundstück verkabelt. Sitzt der Berliner dann während der Woche in seinem Büro, krabbelt dieses elektrische Kriechtier jeden Tag mehrere Stunden über den Platz. Strom haben wir ja in der Uckermark genügend und auch das zweite WLAN-Netzwerk für das “Smart Gardening-System” ist schnell installiert. So kann der Wochenendler auch von seinem Büro aus über die schwenkbare Außenkamera seinem Rasenroboter bei der Arbeit zuschauen. Es muss ein erhebendes Gefühl sein, so viel Macht über die Technik zu besitzen und wie schön ist es diesen gleichmäßig grünen Rasen anzuschauen. Nun bleibt noch mehr Zeit, sich den Rasenflächen zu widmen, zu denen das Elektroscharf keinen Zugang hat. Es bleibt dabei, wenn die Berliner kommen, wird es Samstag morgens laut!

 

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