Mein Landleben & anderes (14)

Mein Landleben & anderes (14)

Wie man Buddha zum Lachen bringt

Wer kennt das nicht: Plan A ist gescheitert, Plan B hatte Fehler, und schwupps ist man bei Plan C!? Zugegeben, nicht jeder Mensch ist dazu in der Lage. Hört man sich um, scheinen viele nicht mal einen ersten Plan für das eigene Leben zu haben. Jedenfalls macht es im Alltag den Eindruck, wenn sie ihr Lamento ausschütten wie altes Spülwasser. Aber dann gibt es da noch die Anderen. Einer von ihnen ist mein junger Freund Rudi.

Rudi ist inzwischen bei Plan S angelangt. Er ist der geborene Planer. Und irgendwie ist er auch ein Tierversteher. Mit diesen beiden Begabungen hat er sein erwachsenes Leben in die Hand genommen und konsequent mit A begonnen. Mit seinem ersten Projekt wollte er den Ameisenbär wieder in unserer Gegend ansiedeln. Dass es den in der Region gegeben haben muss, ist angesichts der Schäden und Belästigungen durch Ameisen nur logisch. Also hatte er schnell Kooperationspartner und Unterstützer an seiner Seite: Die Forstwirtschaft war begeistert, der Touristikverein witterte eine Chance, die Stadt wollte ihr Wappen ändern. Die umliegenden Ganztagsschulen gründeten schon mal vorab Wald-AGs, in denen Rudi ehrenamtlich Vorträge über den Ameisenbär hielt. Der Zoo wollte Rudi eine Halbtagsstelle als Ranger einrichten. Der Naturschutz dachte sich, dass der Ameisenbär nach der Rückkehr des Wolfes auch gut in die Landschaft passen würde – und dass ein Bär schließlich ein Bär wäre. Gescheitert ist dann alles am Zoll. Tja, jeder hat seine Aufgabe und Visionen, also auch der Zoll.

Den Kopf hat Rudi aber deswegen nicht hängen lassen. Vielleicht gab es für ihn schon lange den Plan B. Es war das Domestizieren der Beutelmeise. Er wollte sie für die Jagd auf Nacktschnecken abrichten. Damit hatte er natürlich auf dem Land den überreizten Nerv einer riesigen Klientel getroffen. Und im wahrsten Sinne flugs alle Kleingartenbesitzer und einen Großteil der ländlichen Bevölkerung hinter sich. Die erzwungen nach dem ersten Zeitungsartikel über Rudis Vorhaben mittels Petitionen eine Unterstützung durch die Regionalpolitiker. So bekam Rudi das Gelände einer ehemaligen LPG zum symbolischen Ein-Euro-Preis verkauft, wo er riesige Volieren errichten ließ. Anschließend musste natürlich auch ein Sichtschutz her, dass er ungestört von Presse, Schaulustigen und vor allem Investoren mit den Beutelmeisen trainieren konnte. Dann wurde es lange still um den Fortgang seines Projekts. Aus dieser Zeit rühren auch die Anfänge unserer Freundschaft. Kurze Zeit vorher hatten wir uns flüchtig auf einer Kontakt-Messe kennengelernt. Jetzt bat er mich, ihn bei der Erziehung der Beutelmeisen zu unterstützen. Nein, es war keine große Aufgabe, die er mir antrug. Ich musste lediglich die in handelsüblichen und sogenannten Maurertuppen angelieferten Nacktschnecken aus der Umgebung entgegennehmen und katalogisieren. Rudi hatte sich in den Kopf gesetzt, für jede Sorte lokaler Nacktschnecken die passenden Beutelmeisen-Charaktere herauszufinden. Um seinen Kunden eine Garantie geben zu können. Dazu braucht man eine Systematik und eine gut dokumentierte Forschung, welche einer Universität würdig ist. Wie gesagt, Rudi ist ein kluger Kopf. Was er nicht bedacht hatte, war die Größe der Schnecken. Nach einer Woche harten Trainings kam er zu mir ins Büro und meinte zerknirscht: „Die Meisen haben zu kleine Beutel, da passt nicht mal eine Schnecke rein.“

Aber Rudi fing sich wieder. Wir ließen alle Vögel frei und kurzzeitig gab es eine Beutelmeisen-Plage in der Region, die aber nur die Besitzer von großen Sonnenblumenfeldern störte. Plan C war ein Chinchilla-Circus, mit dem Rudi in Island gastierte. Die Isländer waren hin und weg von dieser Sensation, seine Tour wurde von staatlicher Seite gefördert und er bekam auch einen landestypischen Orden für seine Verdienste. Das alles ereignete sich in der ersten Woche seines Gastspiels auf der Insel. Denn schon kurz nach diesem umjubelten Auftakt begannen die Chinchillas mangels geeigneter Nahrung die Manege zu zerlegen. So gelangten sie in die freie Wildbahn und waren nicht mehr gesehen. Schließlich sind sie nachtaktiv.

Inzwischen arbeitet Rudi – nach vielen anderen Unternehmungen und wie schon erwähnt – an Plan S. Als Planer, der vollständig von seiner Aufgabe durchdrungen ist, hält er sich tatsächlich bei seinen Projekten an das Alphabet. Aktuell: die Schafstelze. Ach, ich beneide diese jungen Menschen wie Rudi. Sie haben immer eine zündende Idee, sind auf der Höhe der Zeit und wirken für die Gemeinschaft. In unserer Region gibt es viele Schafhalter und also auch noch mehr Schafe. Außerdem ein allmählich erwachendes Bewusstsein für ökologisch-natürliches Bauen. Schafwolle ist ein hervorragender Dämmstoff. Also hat er einige Schwärme von Schafstelzen dazu abgerichtet, Schafwolle in großen Mengen einzusammeln. Anschließend liefern sie ihren Ertrag in einer nahe gelegenen Dämmstoff-Fabrik ab. Damit sparen Schafhalter die Kosten für den Schafscherer, Touristen werden nicht mehr von rumfliegenden Wollflusen belästigt und die Schafe sind glücklich über die tägliche Massage. Nur ein kleines Problem ist inzwischen aufgetreten. Einige Schafstelzen wurden ertappt, als sie Wolle für eigene Nester abzweigten. Diese hatten schon Größen erreicht, als wollten Kraniche darin brüten. Aber auch dafür wird Rudi eine Lösung finden.

Also: Wie bringst du Buddha zum Lachen? Genau: Du machst einen Plan und erzählst ihm davon. Wenn du aber einen Lachanfall erleben willst, hältst du – egal, was passiert – einfach ganz fest an deinem Plan. Willst du aber mit ihm lachen, dann mach Pläne und überlass dich dem Leben.

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