Mein Freund der Baum ist ..

Unsere Strassenbäume retten!

Liebe Nachbarn von nah und fern, vielleicht weil ich Thüringerin bin, aber es geht sicher nicht nur mir so!

Ich will nicht weiter zusehen wie tolle, noch junge Straßen – und Alleebäume in meiner nächsten Umgebung und auch im größerem Umkreis
gefällt werden. Also habe ich mal nachgefragt. Ein sehr netter Mann vom Straßenamt erzählte mir, dass es wegen Sturmgefahr und jetzt auch Bodenerosion immer schlimmer wird.

Und auch immer strenger, da sie (also auch er) persönlich dafür haften, wenn ein Baum jemanden schädigt. Und zwar werden sie mit hohen Summen zur Kasse gebeten. In diesem Moment hatte ich Mitgefühl. Aber trotzdem frage ich mich, wir können riesengroße Windräder
hinstellen, zum Mond fliegen, aber nicht unsere schönen Bäume stabilisieren.

Uns fällt nur ein sie zu fällen?

Das kann doch nicht sein, daher meine Frage in die Weite, hat jemand ne Idee wie man das verhindern kann. Bei uns in Damme stehen an mindestens 4 Bäumen das rote böse F, sie sind gut aussehend ich würde sagen im besten Alter.

Mich würden sie dann auch fällen;-).

Am Montag gehe ins Amt Gramzow, aber eine Idee habe ich nicht, außer naiv nachzufragen.

Habt ihr Erfahrungen, Ideen….?

Mein Landleben & anderes (11)

Raunächte oder Das Gewicht der Tage

Hat sich schon mal jemand körperlich mit diesem Wort beschäftigt? Raunächte. Wenn man dieses Wort durchkaut, seinem Klang nachlauscht und dann die einzelnen Buchstaben auf der sich zusammenziehenden Haut des Unterarms spürt, weiß man Bescheid. Raunächte. Das hat etwas Mystisches, wie eine Geistererscheinung. Raunächte. Aller Glauben unserer Altvorderen steigt in uns hoch. Auch solcher, von dem wir noch nie etwas gewusst haben und von dem wir nie etwas wissen wollten. Aber so ist das halt, niemand kann sich die Phantasien seiner Ahnen aussuchen.

An einem dieser Morgen nach einer solchen Nacht sitze ich in der Küche, schlürfe meinen Espresso und blättere in einigen Büchern. Schließlich war gerade Weihnachten. Luise kommt maulend herein und ich strahle sie mit meinem „Schatz-hast-du-gut-geschlafen“-Lächeln an. Meist hilft das, heute nicht, sie ignoriert mich: „So ein Mist, jetzt bin ich schon angezogen.“ Oh ja, das finde ich auch schade. So ein nacktes Weib am Morgen vertreibt schließlich alle Sorgen. Sage ich aber nicht laut, sondern vorsichtig: „Warum ist das denn so schlimm?“ „Ich wollte mich auf die Waage stellen.“ Ich ahne Dramatisches und beschwichtige cool: „He, für dein Alter siehst du richtig gut aus.“ Sie funkelt mich an: „Damit hat das nichts zu tun, du ahnungsloser Schleimer!“ Oh, das ist hart. In der Regel geht meine Trollfrau sehr liebevoll mit mir um, wenn wir allein sind. Ich richte mein geknicktes Ego innerlich wieder auf, verzeihe ihr wegen der Morgenstunde und wende ihr meine ganze Aufmerksamkeit zu: „Du hast Recht. Bitte erkläre mir das Problem.“ Sie setzt sich mit an den Küchentisch: „Na gut, aber nur, wenn Du es wirklich willst.“ Ich nicke eifrig.

Daraufhin erzählt sie mir sehr ausführlich, dass in den Schriften heilkundiger Frauen fortwährend davon die Rede ist, die Zeit bis Epiphanie nicht gering zu schätzen. Im Gegenteil, es sei der geeignete, nein, der notwendige Zeitpunkt, das Gewicht der Tage los zu werden. Mit hochgezogenen Augenbrauen, dazwischen zwei steile Falten, durchbohrt ihr Blick direkt mein naives Staunen. Ich verstehe und senke meinen Kopf. Verstohlen blicke ich an der kugeligen Wölbung meines Bauchs hinunter. Aber ich muss reagieren: „Und wie wär’s, wenn du dich einfach jetzt so auf die Waage stellst. Dann ziehen wir das Gewicht deiner Hose und deines Pullovers ab, und schon weißt du Bescheid.“ Oh, ich hätte nichts sagen sollen, einfach nur staunen, mehr nicht. Ihre Gesichtszüge verhärten sich, dann lockern sie sprunghaft wieder auf und sie beginnt zu lachen. Währenddessen steht sie auf, kommt um den Tisch herum und nimmt meinen Kopf in ihre Arme. „Ach, du hast ja echt keine Ahnung“, flüstert sie mir von oben herab ins Ohr. „Das ist ein modernes Ritual, um sich selbst gleich am Morgen zu begegnen. Innehalten. Eine Einkehr und alles Alte hinter sich lassen.“ Mein Gesicht kann dieses Mal nur zwischen ihren Brüsten staunen, weil sie mich immer noch an sich drückt. Ich bin sehr verwirrt. Eben habe ich noch in „Schöne alte Welt“ von Tom Hodgkinson voller Begeisterung gelesen, mit welcher Ausgelassenheit man in der Tradition vergangener Zeiten diese Tage begehen sollte: feiern, spielen, schwelgen, prassen, palavern und auf keinen Fall arbeiten. – Und nun das: Sich auf sich selbst zurückziehen, das heißt arbeiten, harte Arbeit. Raunächte, denke ich und spüre Atemnot. All diese Überlegungen dauern nun schon so lang, dass ich kaum noch Luft bekomme an Luises Busen. Schließlich lässt sie mich frei. Wir schauen uns in die Augen: sie begeistert und entschlossen, ich wahrscheinlich entgeistert. Meine moderne Frau ist ein altertümliches Rätsel.

Das ist eine reizvolle Mischung, die ich im Moment aber schwer vertragen kann. Ich greife mir meine dicke Jacke und klettere in den Pickup, um noch irgendetwas, egal was, in der Stadt einzukaufen. Über der Straße hängen Nebelfetzen. Im Autoradio läuft gerade eine Sendung über Aberglauben, Orakel und Rituale während der Zeit zwischen Weihnachten und dem sechsten Tag nach Neujahr. Der Moderator erzählt, dass früher in dieser Zeit das Aufhängen von frisch gewaschener Wäsche vermieden wurde. Um den bösen Geistern keine Möglichkeit zu geben, im neuen Jahr wieder zu erscheinen. Denn sie würden sich mit Vorliebe in den im Winde baumelnden feuchten Kleidungsstücken einnisten. Ja, und dann säßen sie uns sofort und für’s gesamte Jahr wieder im Genick. Soweit der streng befolgte Glaube in alten Jahren. Zuerst denke ich: „Was für’n Scheiß.“ Dann denke ich an Luises Gesicht. Und schließlich fällt mir die Waschmaschine ein. Ich hatte sie gefüllt, angeschaltet und Luise gebeten, die Wäsche später aufzuhängen. Der Mann im Radio nimmt das alles sehr ernst, auch seine Gespräche mit den Anrufern. Wenn doch was dran ist an dem Hokuspokus, bin ich schuld an allen Dilemmen des kommenden Jahres! Ja, ich denke wirklich „Dilemmen“, so heftig trifft diese Ahnung als Erschütterung meine ungläubige Seele. Bremsenquietschen, qualmende Reifen – ich drehe um und rase zurück. In meiner Phantasie steht Luise hilflos schluchzend, die Hände vor dem Gesicht, neben der Waschmaschine.

Als ich ins Haus stürze, steht Luise mit einem rauchenden Schälchen im Wohnzimmer. Sie lächelt mich an: „Wir räuchern die Geister hinaus und lassen die Wäsche im Haus.“ Mir ist mulmig. Wenn aus Luises Mund solche Sätze wie heute kommen, dann liegt etwas in der Luft, wie man so sagt. Dann werden Gewohnheiten in Frage gestellt, Träume befragt und Zeichen gedeutet. Und auch mir wird dann seltsam zumute. Vielleicht ist es der Rauch oder der Nebel draußen, in dem das Gewicht der Tage zu hängen scheint.

Streetview in einem kleinen Dorf in der Uckermark

Wieder sind 15 Windräder im Nachbardorf aufgebaut. Manche behaupten, es geht allein nur darum die Steuergelder für diese Anlagen abzugreifen. Die Anwohner*innen werden enteignet, so wird mit jedem neuen Windpark der Wert ihre Grundstücke reduziert. Zum Trost und als Ausgleichsmaßnahme für die neue Lärmbelästigung der Rotorblätter, bekommt das Dorf eine neue Festwiese. Touristen bleiben aus und fahren lieber dort hin, wo der Horizont noch nicht mit diesen mittelalterlichen Windmühlen überzogen ist. Wie hört das auf, wie wird es weiter gehen? Wer macht das nächste große Geschäft mit einem Windeignungsgebiet?

Wer weiß wie lange es den Kranich noch gibt, der majestätisch über die Felder fliegt?

 

 

 

Konsumkritische Aktionstage

Hallo zusammen,
wer würde Spaß daran haben einen Projektbeitrag einzubringen?

Es handelt sich um „Konsumkritische Aktionstage in Pasewalk“, die im Zeitraum vom 11. März bis zum 6. Mai im Museum sowie im städtischen Raum gestaltet werden sollen.

Im Rahmen des Projektes ist Folgendes geplant:

  • Ausstellung „Konsum“ im Museum, s. Anhang
  • Stadtrundgänge zum Thema „Konsumkritik“
  • Filmvorführung / Dokumentarfilm
  • Vorträge und Diskussionen zum Thema
  • Buchvorstellung/Lesung
  • Workshops
  • Tauschtisch
  • Zur Umsetzung aller Ideen möchten wir Sie gerne einladen, an der Gestaltung der Aktionstage mitzuwirken.

Wir sind aufgeschlossen gegenüber weiteren Vorschlägen sowie zur inhaltlichen Bereicherung, was Vortragenden, Filmen, Workshops und weitere Aktionen betrifft.

Zudem besteht Möglichkeit die von Ihnen vorgeschlagenen Ideen und Aktionen in einen Förderantrag aufzunehmen und z. B. bei Material-, Honorar- und Fahrtkosten eine Unterstützung zu erhalten. Kontaktieren Sie uns bitte – wegen der Antragsfristen – möglich bis 18. Januar 2018.

Kontakt: info@uckermark-social-network.org

Auszug Ausstellung

von morgen – Alles Gute auf einer Karte – Ideenwerkstatt Bildungsagenten

 

For english click here Die Karte von morgen ist eine interaktive Onlineplattform für Initiativen des Wandels und für nachhaltige Unternehmen. Biohöfe, emissionsfreie Lieferanten, freie Bildungsinit…

Quelle: von morgen – Alles Gute auf einer Karte – Ideenwerkstatt Bildungsagenten

Juli Zeh – Unterleuten | btb

Willkommen in Unterleuten!

Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten. Doch hinter den Fassaden der kleinen Häuser brechen alte Streitigkeiten wieder auf. Und obwohl niemand etwas Böses will, geschieht Schreckliches.

Quelle: Juli Zeh – Unterleuten | btb

Mein Landleben & anderes (10)

Widder, Zen und kluge Bauern

Wenn ich in einer ratlosen Stimmung bin, gehe ich zu Pepe. Der Grund kann sein, dass ich mich einsam fühle, weil Luise nicht da ist. Oder ich vor zu viel anstehender Arbeit fliehe. Oder das Wetter ist mies. Heute kommt alles zusammen. Luise ist seit drei Tagen auf einer Fortbildung, von der sie erst übermorgen zurückkehrt. Im Haus liegen an allen möglichen Stellen – auf dem Küchentisch und dem Schreibtisch sowieso, dann noch im Bad und auf dem Wohnzimmertisch, außerdem auf meiner Werkbank – diese To-do-Zettelchen, die einen anschreien, sobald man einen Blick draufwirft. Ja, und dann ist da noch diese Witterung. Sie hängt so zwischen Herbst und Winter fest; der Himmel ist ein einziger grauer Schlafflappen, ohne Wind, die Temperaturen kurz über Null, es regnet nicht, ist aber immer kurz davor. Den ganzen Tag wird es nicht richtig hell. Ach, was heißt „den ganzen Tag“, die paar Stunden, kann man sagen. Das ist die Beschreibung des Außendrumherum, die sich exakt gespiegelt in meinem Inneren wiederfindet. Da kann ich nur zu Pepe gehen, etwas anderes hilft nicht.

Ich ziehe mich warm an und stapfe quer über die Weide. Wenn ich die hintere Stalltür öffne, steht er schon drinnen auf der anderen Seite und schiebt sein Maul vor. So auch heute. Eigentlich heißt er Pepe Gonzalez und ist unser Widder. Manche sagen auch „Bock“, aber das wird seiner majestätischen Erscheinung nicht gerecht. Aus meiner Jackentasche hole ich eine Handvoll gequetschten Hafer. Als er alle Körner mit den Lippen aufgenommen und im Maul hat, kraule ich ihn und wir schweigen eine Weile zusammen. Dann erzähle ich ihm, wie es mir geht. Er ist ein aufmerksamer Zuhörer. Er antwortet nicht, schaut mich nur lange mit seinen wunderschönen Augen an. Dann schließt er sie, weil ich ihn ja während des Sprechens immer noch kraule. Irgendwann dreht er sich unvermittelt um und geht langsam aus dem Stall zu seiner Herde. Auch das kann eine Antwort sein, denke ich. Aus Büchern über Zen-Buddhismus mit Zen-Lehrern kennt man das ja: Der Lehrer macht irgendeine paradoxe Bemerkung oder Geste, und schwupps hat der Schüler seine Erleuchtung. Nicht so heute bei mir; ich verstehe Pepes Reaktion nicht, obwohl ich meditierend noch eine halbe Stunde im Stall rumhocke.

Ende Oktober arbeitete ich im Vorgarten, es war schon mächtig klamm und der Boden leicht gefroren. Da kam Manfred schlingernd die Dorfstraße entlang geradelt. Er wohnt im ältesten Haus unseres Dorfes und trotz seiner 81 Jahre ist er manchmal sogar mit einem Motorrad unterwegs. An unserem Zaun hielt er an, schaute mir ein Weilchen zu und ächzte weiter. Im Losfahren reckte er den Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger zum Himmel: „Frühe Gäste bleiben nicht lange.“ Wir hatten uns zwar gegrüßt, aber über nichts geredet. Ich hatte auch nichts gefragt. Noch zwei Tage blickte ich während der Gartenarbeit immer wieder abwechselnd in den Himmel und hielt nach Gästen Ausschau: Nichts. Am dritten Tag kam die Sonne zwischen den Wolken durch und der Boden duftete, als würde Frühling. Da ahnte ich, dass Manfreds Satz ein Trost war.

„Fällt der Schnee in’n Dreck, ist er auch bald weg.“ Ein Satz von Marga, unserer 89jährigen Nachbarin, einfach so in die Luft geworfen, als ich sie um einen Schneeschieber bitten will. Er kam unvermittelt, ist aber einfach zu verstehen. Trotzdem war ich beeindruckt, wie sie jahrhundertealtes Wissen so prägnant ins Jetzt holt – da bleibt keine Frage offen. Dagegen bohrte ihr „März hat auch noch ein Herz“ im Frühjahr lange in mir herum. Hatte sie die erste Zeile mit „Schmerz“ weggelassen? Gibt es herzlose Monate, die dem März folgen und von denen ich nichts weiß? Ich gab es irgendwann auf, diesen Satz ergründen zu wollen. Oft bleibe ich ratlos zurück, wenn wir uns über den Weg gelaufen sind und sie einen ihrer Sätze gesagt hat. Dann schaue ich ihr bewundernd nach, wie sie mit dem Rolllator tapfer zu ihrer Dorfrunde aufbricht. Und denke an Pepe. Auch die Äußerungen eines Zen-Lehrers kann man intellektuell nicht erfassen, begreifen oder verstehen, wird behauptet. Zum Beispiel habe ich für „Das ist alles Jacke“ eine Woche Fasten gebraucht, um es in seiner Genialität zu erfassen. Da steckt alles drin, wortökonomisch kurz und wirksam wie ein Paukenschlag. Nicht dieses alberne Rumgeeiere mit Abwägen und verschiedenen Möglichkeiten, die eventuell … und vielleicht doch eher jenes … Habe mich später in Richtung ihres Häuschens heimlich verbeugt. Aber es wurde noch persönlicher. „Wenn die Frau um acht meckert, dann meckert sie auch noch um neun.“ Das war eine harte Nuss, denn ich musste dauernd an Luise denken. Schließlich fasste ich mir ein Herz und bat meine Frau, dass wir die Zeit nach dem Aufstehen schweigend verbringen. Sie fand das seltsam, aber es hat geklappt und das Orakel ist gebannt. Trotzdem bin ich nicht sicher, der Bedeutung näher gekommen zu sein.

Zu Beginn des Winters dann: „Der kleine Hase hat’s gut; der große muss sehen, wo er bleibt.“ Ich sage nur, schlaflos war ich seitdem. Vor zwei Wochen habe ich all meine Verzweiflung zusammen genommen und Marga gefragt, was mit dem Satz gemeint ist. Sie schaute mich verständnislos von unten herauf an. Dann wiederholte sie den Satz, nur vertauschte sie jetzt die Reihenfolge. Aus meiner herunter gesackten Kinnlade kam nur ein mühsames „Aaaahja“. Dann durchströmte mich eine Welle heißer Ahnung: Es gibt etwas hinter den Worten, doch ist es unaussprechlich. Vielleicht jahrzehntelange körperliche Erfahrung. Nach dieser intensiven Zeit mit den Worten der klugen Bauern versuche ich, wieder mehr Zeit mit Pepe zu verbringen.

Vor Ort weiter kämpfen! Pestizidfrei Kommune fordern!

Kein Glyphosat und keine Pestizide auf kommunalen Flächen!

Die Wiederzulassung von Glyphosat ist mit der deutschen Entscheidung endgültig und nicht mehr zu revidieren. Jetzt geht es, darum die lokale Politik in die Pflicht zu nehmen, um den Schaden zu begrenzen. Fordere von Deiner Kommune, auf den Einsatz von Glyphosat und Pestiziden im öffentlichen Raum, wie Sport- und Spielplätzen, Wege und Parks, zu verzichten. Bringe dazu über Deinen nahestehenden kommunale Politiker*innen einen Beschlussantrag in die nächste Gemeinderatssitzung ein.

Quelle: BUND

umweltgifte_pestizide_beschlussvorlage

Download

20.01. Demo in Berlin: Wir haben es satt!

 

Demonstration

Auftakt
Sa., 20. Januar 2018, 11 Uhr
Hauptbahnhof Berlin / Washington-Platz

Demonstration zur 
Int. Agrarministerkonferenz

Abschluss
Brandenburger Tor

Der Agrarindustrie die Stirn bieten!

Vier weitere verschenkte Jahre in der Agrarpolitik? Das können wir uns nicht leisten. Dringender denn je brauchen wir eine bäuerliche, ökologischere Landwirtschaft und gesundes Essen für alle! Doch wer etwas verändern will, legt sich mit der mächtigen Agrarlobby an. Deswegen müssen wir – die kraftvolle, bunte, lautstarke Bewegung auf der Straße – den Konzernen die Stirn bieten und die neue Regierung in die Pflicht nehmen.

Am 20. Januar treffen sich LandwirtschaftsministerInnen aus der ganzen Welt in Berlin. Als Gastgeberin der Agrarministerkonferenz steht die Bundesregierung dann im Licht der Weltöffentlichkeit. Der perfekte Moment für uns! Während sie drinnen über unser Essen und unsere Landwirtschaft entscheiden wollen, schlagen wir draußen Alarm für die globale Agrar- und Ernährungswende und für gerechten Handel!

Quelle: 20.01. Demo in Berlin: Wir haben es satt!

Mein Landleben & anderes (9)

Kackende Spatzen

Wenn einer aufs Land zieht und glaubt, dass das Leben damit voller Romantik wäre, irrt er gewaltig. Selbst, wenn die Landschaft noch so anmutig erscheint. Selbst, wenn er sich noch so sehr in Sachen Kultur, Menschenansammlungen, Transportmöglichkeiten und Kommunikation bescheidet, bleibt ein Rest offen. Denn auch hier draußen fernab der nervenden Städte quält ein alles bestimmender, existentieller Druck nach einiger Zeit: Hunger. Sicher ist es möglich zu fasten, aber auch diese Zeit ist begrenzt. Deshalb ist eine Arbeit notwendig, um in der Folge den Hunger zu stillen. Es sei denn, er erzeugt alle Nahrung selbst. Aber auch dies würde ihm wohl ohne einen einzigen Cent schwerfallen. Deshalb ist bei einer Ansiedlung im ländlichen Raum klar, dass Ideen zum Broterwerb hermüssen. Zumindest eine, die dann auch gelingt.

Für mich ist das nicht so schwer, da ich diese Texte über meine ländlichen Schwierigkeiten und die Eigenheiten Eingeborener schreibe. Anschließend werden sie teuer verkauft, die Großstädter lechzen danach, sage ich Ihnen. Aber darum geht es hier nicht. Es geht um Helmut.

Helmut ist ein guter Freund, der sich gerade anschickt, diesen folgenschweren Schritt aus der riesengroßen Stadt Richtung riesenweites Land zu gehen. Luise und ich haben das schon hinter uns. Wir fühlen uns als Mentoren, um ihm beizustehen. Klar ist, dass er eine gewinnbringende Arbeit braucht. Also setzen wir uns zusammen: Helmut, Luise und ich. Wir haben uns ein verlängertes Wochenende frei gemacht, Helmut in der Scheune einquartiert, um Nägel mit Köpfen zu machen. Aus dem großen Schritt wollen wir für ihn so etwas wie kleine Schrittchen machen. Wozu sonst sind Freunde da? Gleich am ersten Tag hat Luise die Rolle der Realistin übernommen: „Was wird hier gebraucht? Hast du das Kapital dafür? Wie ist die Zielgruppe zu erreichen?“ Ich fürchte, dass sie nicht den richtigen Zugang zu Helmut findet, und mache den Selbstverwirklicher: „Wer bist du? Was willst du? Was kannst du dir für dich vorstellen?“ So viele Fragezeichen ist Helmut nicht gewohnt. In der Stadt arbeitete er als Kraftfahrer für eine Wäscherei. Er schaut uns abwechselnd irritiert an. „Na ja, ich dachte an etwas ganz Einfaches, wisst ihr“, kommt von ihm in bedächtigem Ton. „Etwas Einfaches?!“ Luise und ich sind uns in unserer Bestürzung einig. Dann reden wir beide sehr viel und sehr lange durcheinander. Und auf ihn ein. Das zieht sich hin. Gegen Mittag sind wir beide sehr erschöpft. Helmut meldet sich vorsichtig zu Wort, er bräuchte jetzt mal eine Pause. Wir nicken. Soll er; wir müssen unseren Plan überarbeiten, denn mit solch einer Unbedarftheit haben wir nicht gerechnet.

Nun kenne ich Helmut schon sehr lange und weiß, dass er nicht so der große Planer ist. Er scheint sich auch nicht mit Zukunftsängsten rumzuplagen. Vor Jahren beschloss er urplötzlich, nach Japan zu gehen. Ja, er sagte wirklich „nach Japan gehen“, nicht: dorthin reisen und wiederkommen. Entgeistert starrte ich ihn damals an und rang mir ein „Und dann?“ ab. Er nuschelte etwas von Kloster, damit war das Gespräch beendet. Das nächste von ihm war eine Ansichtskarte mit der Abbildung einer Gruppe windknorriger Kiefern. Auf der Rückseite schrieb er sachlich, dass er nun als Koch in einem Kloster arbeite, meditieren würde und dass ich mir keine Sorgen machen solle.

Helmut bleibt den restlichen Tag verschwunden. Er hat sich meinen alten Pickup geliehen, um sich „mal umzuschauen“. Spätabends sehen wir Licht in der Scheune und sind etwas beruhigt. Am nächsten Morgen, Luise und ich sehen ziemlich zerknittert aus wegen der Nachtarbeit an unserem aktualisierten Helmut-Hilfs-Programm, kommt er pfeifend in die Küche. „Na, wie war’s gestern?“ frage ich. Wir haben unser Vorgehen geändert: Wir wollen einfache Impulse geben, ihm geduldig zuhören und im geeigneten Moment einhaken, um ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Mit dem, was dann kommt, haben wir aber nicht gerechnet. Er gibt uns einen Reisebericht von seinem gestrigen Tag quer durch die Uckermark. Dabei gefiel ihm nicht nur die Landschaft sondern auch die vielen Menschen, mit denen er gesprochen hätte. Das begann mit unserem Nachbarn, der nur knurrend zurückgrüßte. Als Helmut ihm daraufhin unbeirrt sein Hiersein erklärte, hielt der Mann ihm einen kurzen Vortrag über den Ursprung und die Bedeutung unseres Dorfnamens. Der nächste war ein alter Mann mit Stock, den er ein paar Dörfer weiter nach leerstehenden Häusern fragte. „Und, hast du etwas gefunden? Was hat er gesagt?“ rutscht es Luise heraus. „Nix.“ Ungläubig frage ich: „Es gab keine leerstehenden Häuser?“ „Er hat nix gesagt“, erklärt Helmut. Sie hätten sich eine ganze Weile gegenüber gestanden und geschwiegen. Dann hätte sich der Mann umgedreht und gesagt: „Komm se mit!“ Er hätte ihn in ein Backsteinhaus gebracht und dann für ihn eine zweistündige Führung durch die ehemalige Dorfschule gegeben, denn die war dort einmal. Später hatte Helmut noch in einem Dorfladen eingekauft, einen Bauern um Hilfe gebeten, weil der Pickup stecken geblieben war, mit einem Schäfer gevespert und den Schafen zugeschaut. Gegen Abend war er an einem Gemeindehaus vorbeigekommen, in dem eine Gruppe älterer Frauen Gymnastikübungen machte. Er hatte nur neugierig hineinschauen wollen, aber sie behielten ihn da und nötigten ihm ein Glas süßen Sekt auf. „Seit dreißig Jahren“, seufzte er. Wir sehen ihn fragend an. „So lange treffen diese Frauen sich schon, einmal in der Woche.“ Dann bricht er seinen Bericht ab, er müsse jetzt mal allein sein, und verschwindet in der Scheune. Wir bleiben ratlos zurück.

Der nächste Morgen beginnt und Helmut sitzt bereits am Küchentisch. Auch wir sind ausgeruht und wollen loslegen. Aber Helmut kommt uns zuvor, feierlich beginnt er: „Ich hatte einen Traum.“ Luise und ich ziehen wie vom großen Puppenspieler gesteuert gleichzeitig die Augenbrauen hoch und fragen: „Und?“ Wir sind inzwischen ein gutes Team und wittern den großen Tag, um endlich mit dem Thema „Helmuts Arbeit“ auf den Punkt zu kommen. Er sagt, dass ihm sein alter Abt aus dem japanischen Kloster erschienen sei. Sie waren in dem mönchsleeren Essensaal allein, er hätte ihn lange angeschaut und dann nur ein Wort gesagt. Wir sind enttäuscht und gespannt zugleich. Er flüstert: „Bokushingusuzume.“ „Waaaas?!“ Er wiederholt es wie ein Zauberwort. Trotzdem wissen wir nicht, was er uns sagen will. Mit verklärtem Blick sagt er: „Es bedeutet ungefähr – Kackende Spatzen. Das hat etwas mit meinem Leben zu tun, versteht ihr.“ Wir verstehen nichts, aber auch gar nichts mehr.

All das ereignete sich vor fünf Jahren. Inzwischen führt Helmut einen sehr kleinen Gasthof mit dem Namen „Kackende Spatzen“, in dem er manchmal japanisches Essen serviert. In der Regel aber gibt es einfache, rustikale, regionale Gerichte. Die Menschen aus den umliegenden Dörfern finden nichts außergewöhnlich an diesem Namen. Die Gruppen von Fahrradfahrern amüsieren sich lärmend darüber. Nach ein paar Worten von Helmut lassen sie sich aber bereitwillig auf eine gemeinsame Meditationssitzung ein. Die Teilnehmer einkehrender Yogagruppen, bestehend hauptsächlich aus städtischen Frauen, lächeln zuerst verschämt und lockern sich dann später bei einer Schale Sake.